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Was wollen Berufseinsteiger von ihren Arbeitgebern?

Architekt und Arbeitsmarkt – früher war dies ein aus Absolventensicht eher unerfreuliches Thema. Die Hochschulen produzierten hoch motivierten Nachwuchs en masse, aber es gab nur wenige Jobs. Dies hat sich in Zeiten brummender Baukonjunktur massiv geändert. Inzwischen können junge Architekten sich die attraktiven Jobs oft geradezu aussuchen. Und auch die Gehälter entwickeln sich in Maßen nach oben. Von Alexander Gutzmer
Veröffentlicht am 11.03.2019

Das Architekturmagazin Baumeister hat diese Lage zum Anlass genommen, bei jungen Architekten nachzufragen, was sie von ihrem idealen Arbeitgeber erwarten. In einer Online-Befragung holte die Redaktion bei 68 Teilnehmern Input zu deren Einstellungen zu Gehalt, idealer Firmengröße etc. ein.

Die verschiedenen Merkmale sind nach Wichtigkeit gewichtet. 1 = Sehr wichtig 6 = absolut unwichtig

Der Trend geht zum Angestellten

Eine Frage, die sich der Baumeister stellte: Ist das eigene Büro eigentlich noch das berufliche Ziel? Ergebnis: längst nicht mehr für alle. Nur 50 Prozent der Befragten halten die Selbständigkeit für eine erstrebenswerte Form des Arbeitens. 88 Prozent sehen sich hingegen als Angestellte in Architekturbüros (Mehrfachnennungen waren hier möglich). 

Es zieht junge Architekten also zunehmend in die etablierten Büros. Heißt das, dass am Arbeitsmarkt Großfirmen wie gmp oder HPP die Nase vorn haben? Nicht unbedingt. Bei den Bürogrößen haben es die Nachwuchsbaumeister gern etwas intimer. Für die meisten hat das ideale Büro bis zu 20 Mitarbeiter (34 Prozent) oder bis 50 Mitarbeiter (knapp 30 Prozent). Unter zehn Prozent würden am liebsten in Büros mit über 100 Architekten anheuern. Gut für die Bewerber – solche Großbüros sind in Deutschland ohnehin rar gesät.

Was ist die Alternative zum Büro?

Und wie sieht es jenseits der klassischen Büros aus? Jeder Fünfte kann sich vorstellen, für den Staat zu arbeiten. Gestaltung über administrative Rahmensetzung scheint also durchaus manchen Architekten zu reizen. Mehr jedenfalls als die Tätigkeit auf der Kapitalseite. In der Immobilienwirtschaft sehen sich immer noch nur rund zehn Prozent der Befragten.

Interessant: Jeder vierte kann sich vorstellen in einem Verlag oder Medienhaus zu arbeiten. Dies mag mit einer Verbundenheit dem Baumeister zu tun haben. Es kann aber auch heißen, dass die baupraktische Tätigkeit und die Reflexion derselben zunehmend zusammen gehören. Das wäre in Zeiten der zunehmenden öffentlichen Debatte über das Bauen eine durchaus positive Entwicklung.

Was ist wirklich wichtig?

Was aber ist den High Potentials in ihrer täglichen Arbeit wichtig? Wir haben es hier mit den Generations Y und Z zu tun. Insofern überrascht nicht, dass softe Themen wie ein kreatives Arbeitsumfeld und eine positive Bürokultur ganz oben stehen. Auch auf flache Hierarchien und einen attraktiven Standort legen die Befragten viel Wert. Das Gehalt ist recht wichtig, aber nicht sonderlich dominant. Noch mehr Wert legt man auf eine angemessene Vergütung von Überstunden. Wenn schon Nachschichten, dann extra bezahlte, so das Motto. 

Heißt das nun, dass das Gehalt keine Rolle mehr spielt? Nein, heißt es nicht. Dies wird besonders deutlich, wenn man konkret nach den drei Faktoren fragt, die einem bei einem Arbeitgeber am wichtigsten sind. Hier wird das Gehalt am häufigsten genannt. Ein fairer Lohn ist eben ein motivierender Faktor, aber nicht der allein entscheidende.

Dieser Artikel stammt aus der Aprilausgabe 2019 des Baumeisters. Das Architekturmagazin wird – ebenso wie New Monday – vom Callwey Verlag herausgegeben. 

 

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