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Worauf es beim Portfolio ankommt

Das Portfolio ist für den Architekturschaffenden wie für den Musiker das Probespiel: die Darstellung des eigenen Könnens. Doch worauf ist zu achten, wenn man sein Portfolio gestaltet und sich damit bewirbt?
Veröffentlicht am 23.10.2019

Das Portfolio soll perfekt sein, jedoch nicht zu perfekt wirken. Und besonders sein, jedoch nicht zu ausgefallen. Doch sobald man vor dem PC sitzt, um mit dem Portfolio zu beginnen und auf das leere weiße InDesign Dokument starren, beschäftigt man sich immer wieder mit den gleichen Fragen: Hochformat oder Querformat? Welche Größe ist die Richtige? Wie lang darf das Portfolio sein? Welche Projekte sind wichtig?
Der folgende Artikel fasst Antworten verschiedener Architekten und Grafikdesigner zusammen, um den Weg zum individuellen Portfolio zu erleichtern.  

Der erste Eindruck

„Das Gesamtkonzept eines Portfolios ist für uns mit das Wichtigste. Letztlich ist ein Portfolio wie ein Projekt zu betrachten: Es kann groß oder klein sein, alles muss jedoch durchdacht sein“, meint die Bewerbungsabteilung von Bruno Fioretti Marquez aus Berlin. 
Das Layout vermittelt den ersten und bleibenden Eindruck. Daher ist es wichtig, dass es in seiner Schriftart, seinem Format und dem Design den Projekten entspricht und eine Gesamtkomposition bildet. 

Die Qual der Wahl – welche Entwürfe sind wichtig? 

Generell ist es ratsam, die Entwürfe so zu wählen, dass sie eine weite Bandbreite der eigenen Fähigkeiten präsentieren. Skizzen und Abbildungen, die den Prozess zeigen, sowie Handzeichnungen oder Fotografien können Teil des Portfolios sein. Wichtig dabei ist, ein ehrliches Bild der eigenen Begabungen und Persönlichkeit zu vermitteln. Als Berufserfahrener sollte man auch Projekte der bisherigen Büroarbeit zeigen. 

„Die gewählten Projekte sollten übermitteln, ob der oder die Bewerbende zu unserer Bürophilosophie passt“, betont der spanische Architekt Luis Palacios von arenas basabe palacios.
Es hilft, sich die Projekte des jeweiligen Büros anzusehen, bevor man auswählt, welche Entwürfe man zeigt. Allerdings sollte man darauf achten, die eigene Note beizubehalten und nicht den Stil des Büros zu kopieren. 

Da Architekten während des Bewerbungsgesprächs häufig nach Projekten aus dem Portfolio fragen, sollte man diese sicher erläutern können und von ihrer gestalterischen Qualität überzeugt sein. 

Wie stelle ich die ausgewählten Entwürfe dar? 

Verena Lindenmayer von EM2N empfiehlt ein ansprechendes, reduziertes, klares Design, welches den Fokus auf die Pläne und Visualisierungen setzt. Die Architektin rät, auf die Lesbarkeit bei verkleinerten Plänen sowie die Wahl der Strichstärken zu achten.  

Für einige Büros ist die gewählte Schriftart ebenfalls ein wichtiges Kriterium, da diese das graphische Verständnis des Bewerbenden zeigt. Die Schriftart sollte daher nicht zu simpel aber auch nicht zu ausgefallen sein, sondern zur Gesamtkomposition passen. 

Als Portfolioformat wird häufig A4 empfohlen. Laut Katharina Fußeder, Grafikdesignerin aus München, ist es wichtig, dass die Abbildungen gut zur Geltung kommen. „Ein Format von A5 bis maximal A3 ist möglich. A3 könnte allerdings schon fast zu groß sein“, so die Grafikerin. 

Die Länge des Textes richtet sich nach den Projekten und sollte zum Layout passen. 
Generell gilt: mehr Bild, weniger Text. „Es ist wichtig, dass die Pläne und Bilder für sich selbst sprechen, ohne, dass sie einen langen Erläuterungstext benötigen“, meint Luis Palacios. 

Struktur und Länge  

„Die Projekte, die einem besonders am Herzen liegen, sollten zuvorderst gezeigt werden. Daran erkennen wir schnell, welches Architekturverständnis der oder die Bewerbende hat“, so Bruno Fioretti Marquez. Bei dieser Frage sind sich alle einig – die wichtigsten Entwürfe kommen an erster Stelle. Eine bestimmte oder chronologische Reihenfolge sei laut Palacios dabei weniger bedeutend. 

Den Projekten vorangestellt befindet sich der Lebenslauf. Häufig interessiert die Büros hierbei besonders, bei wem man sein Praktikum absolviert und bei welchen Professoren und Professorinnen man seine Entwürfe gemacht hat. Aber auch wo man studiert hat, welche Programme man beherrscht, Sprachkenntnisse sowie Auslandsaufenthalte sind essenzielle Informationen. 

Zur Länge des Portfolios gibt es keine konkreten Angaben. Palacios zufolge sei „ein kürzeres Portfolio, das die besten Projekte zeigt, besser, als ein langes, das alle Projekte – unabhängig ihrer Qualität – präsentiert“. 

Ein Handbuch zum „perfekten Portfolio“ gibt es letztendlich nicht. Es kommt stark darauf an, bei welchem Büro man sich bewirbt – jedes Büro, jeder Bewerbende sowie jedes Portfolio ist individuell. 
Das Portfolio sollte jedoch vermitteln, dass man organisiert und motiviert arbeiten kann. Es sollte Auskunft darüber geben, wie man Architektur versteht und dabei die eigenen Fähigkeiten und Persönlichkeit zeigen. Dabei ist es wichtig, dass das Portfolio in Inhalt und Layout stimmig ist und ein ansprechendes Gesamtbild erzeugt. 

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